Geruestbau und Bau

Veröffentlicht: Juni 11, 2010 in Development / Entwicklung

Absolutely fascinating...

Building site in Kampala

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Ich wandere manchmal durch Kampala’s Strassen und bewundere die Baugerueste. Ich bin total fasziniert vom Geruestbau in Uganda. ‚Health & Safety‘, irgendwelche Sicherheitsrichtlinien, scheinen hier nicht zu existieren. Aber braucht man die wirklich? Egal, wo man hinschaut, es wird gebaut, gebaut und gebaut. Shoppingmeilen, Hotels, Restaurants, Buerohaeuser, Wohnbauten – schiessen wie Pilze aus dem Boden. Die Bauweise ist ziemlich abenteuerlich, denkt man sich, aber die Ergebnisse lassen sich echt sehen…

Mein allererster Boyfriend (so vor 25 Jahren) war ein Geruestbauer; und ich denke dann manchmal an ihn und die schoenen sicheren, eisernen Baugerueste in Deutschland. Trotzdem war es mir immer schwindlig, wenn ich da mal hochgeklettert bin. Wie muss es sich auf den Baugeruesten hier anfuehlen? Ganz schoen mutig, da hochzuklettern; und dann auch noch zu arbeiten. Die Gerueste sehen aus, als ob sie bei der naechsten Windboee umfallen. Aber das tun sie nicht; sie stehen, auch nach dem staerksten Sturm (und davon haben wir viele), bleiben stehen und erfuellen ihre Aufgabe – bis das Gebaeude fertig ist.

Shopping centre - Garden City Kampala

Vielleicht sollte man eine Firma gruenden und Gerueste herstellen? Oder einen Eisen- und Stahlhersteller? Kampala boomt, Uganda boomt, Afrika boomt… Das ist ganz sicher ein ganz anders Afrikabild als ich hatte, bevor ich herkam…

Die beiden folgenden Fotos zeigen, was dann rauskommt… das erste Foto ist Speke Resort in Munyonyo, eines der besten und ‚poshesten‘ Hotels in Uganda, wenn nicht das beste. 20,000 UGX (7 EUR) kostet der Eintritt; und dafuer sonnt man sich dann den ganzen Tag am grosszuegig angelegten Swimmingpool, wird von freundlichen Kellnern bedient, und bekommt sein Bitter Lemon oder Bier an den Liegestuhl gebracht. Wem das nicht genug ist, der geht in die Sauna und/oder in den nagelneu, mit modernsten Geraeten ausgestatteten Fitnessraum (alles in den 7 EUR inklusive).

Speke Resort - the possibly poshest hotel in Kampala

Ich lag am Mittwoch am Swimmingpool und genoss mein Leben; nicht schlecht, dachte ich, so kann es immer weitergehen. Irgendwann wird ganz Uganda so sein. Zumindest, hoffe ich das; denn leider gehoere ich mit meinem europaeischen Expat-Gehalt zur Elite, die sich das ohne Probleme leisten kann. Die Gedanken, dass der durchschnittliche Ugander 60 EUR im Monat verdient; und ich somit 10% eines Monatsgehalts nur fuer den Eintritt ausgegeben habe und dann weitere 30,000 UGX (10 EUR) fuer Essen und Getraenke, die muss ich wegschieben.

Es freut mich, wenn ich mich so umschaue, nicht nur ‚Muzungus“ (Weisse) zu sehen. 50% der Besucher sind Afrikaner; aber bei einem nur 1%gen Bevoelkerungsanteil an Auslaendern in Uganda, sind Ugander definitiv unterrepresentiert. Daran darf ich nicht denken, falls ich den Tag wirklich geniessen moechte. Ich muss mich auf mein Buch konzentrieren und meine Gedanken wegschieben.

Etwas ausserhalb von Kampala, nach ca. 15-20 Minuten Autofahrt, kann man den Bahai Tempel besichtigen. Eine grosszuegig angelegte Anlage auf einem der vielen Huegel Kampala’s. Ein toller Bau und ich frage mich, wie haben die das hingekriegt – so ganz ohne Kraene und tolle Technologie?

Bahai Temple

Um in Uganda etwas zu erreichen, muss man wirklich Meister der Improvisation sein; oder einfach nur genug Geld haben. Nichts zu haben und dann trotzdem etwas schaffen… Das ist schon eine Herausforderung. Aber Uganda hat definitiv das Zeug, sich zu einem Paradies zu entwickeln.

Das Wetter stimmt schon mal. Immer sonnig, immer schoen. Ich habe heute Abend mit meiner alten Heimat telefoniert. In Deutschland ist es zwar warm, aber es regnet. Letzte Woche war kalt. Meine Freundin in England sitzt im Wollpullover an der Heizung und hat Mittelohrentzuendung. Ich, in Uganda, sitze heute, wie seit 15 Monaten non-stop taeglich, kurzaermlig auf der Terasse und geniesse das Wetter.

Und die Ugander holen auf, mit Infrastruktur, und Gaerten; mit allem. Noch ein Jahrzent, vielleicht zwei, dann wird auch die Wirtschaft hoffentlich aufgeholt haben, und Produktion im Land entwickelt sein; und dann kann man vielleicht am Swimmingpool sitzen, ohne Gewissensbisse, dass man ein so viel besseres Leben als die meisten Ugander hat.

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Kommentare
  1. Roter Kater sagt:

    Und dann kommt die Schere zwischen Arm und Reich, die noch größer sein wird als in Deutschland. Das ist das, was wir exportieren, was Köhler Jelzin in Russland beigebracht hatte.

  2. Volker Seitz sagt:

    Was Sie aus Uganda berichten, kann ich für andere Länder bestätigen. Nur fehlt mir in Ihrem Artikel noch eine kleine Analyse, w e r dort baut. Sind es Geschäftsleute, die mit ihrer Hände Arbeit das Geld verdient haben? Werden Häuser für die zahlreichen Entwicklungshelfer (Weltbank, UNO, GTZ usw.) gebaut, die dann Monatsmieten in Höhe von mehreren Jahreslöhnen der einfachen Ugander bezahlen? Sind es Menschen aus dem Regierungsapparat, die über Dritte (Familie, Clan) ihr Geld plazieren?
    Wie kommt das Wirtschaftwachstum zustande? Die beindruckenden Wachstumszahlen Afrikas in den letzten Jahren haben wesentlich die Ausbeutung der üppigen Rohstoffe zum Hintergrund – weniger eine solide Ökonomie.
    Oder werden tatsächlich Fabriken gebaut, die Arbeit versprechen? Ich weiß aus anderen Ländern, dass der Großteil der Bevölkerung von dem Wirtschaftswachstum nicht profitiert und dass die Kluft -selbst in Südafrika- zwischen Arm und Reich noch tiefer wird. Werden denn in Uganda die Risikofaktoren der Wirtschaft: die hohe Armut, die schlechte gesundheitliche Versorgung und die schlechte Bildung ernsthaft angepackt? Zumindest scheint mir die AIDS Bekämpfung in Uganda auf dem richtigen Wege zu sein.
    Uganda bekommt auch Budgethilfe. Wie wird damit umgegangen? Die KfW ist jedenfalls sehr selbstzufrieden (vgl. meinen Kommentar beim Bonner-Aufruf von gestern)
    Ich habe übrigens Verständnis, wenn Sie meine Fragen nicht beantworten wollen. Die Aggresivität der Entwicklungsindustrie wächst, wenn man an ihrem Tun zweifelt und mehr über die Wirksamkeit der vielen Milliarden wissen will.

    • bellusci sagt:

      Lieber Herr Seitz, ich wuerde wirklich gerne auf Ihre Fragen antworten, wenn ich diese genau beantworten koennte; d.h. mit Namen und Nachweisen und nicht bloss vom „Hoerensagen“. Ich moechte niemanden mit „Vorwuerfen und Beschuldigungen“ bewerfen, die nicht eindeutig belegt werden koennen. Zumindest ist das die Kommunikation, die ich viel zu oft von Seiten von Kollegen im Entwicklungsdienst zu hoeren bekomme, wenn ich Fragen, wie Ihre aufwerfe.

      Folgendes kann ich aber definitiv beitragen: Ich habe mehrere EZ Kollegen, der ihre Haeuser von Auslaendern mieten. Diese Auslaender sind meist Europaer, die vormals selbst Entwicklungshelfer waren, und sich dann entschieden haben, in Uganda zu bleiben und in Grundstuecke zu investieren. Europaer vermieten oftmals an Europaer, denn sie sind i.d.R. vom ugandischen Markt (also von einer Vermietung an Ugander) ausgeschlossen.

      Die Eigentuemerin unseres Hauses ist eine von Obote’s Schwestern bzw. Cousinen, oder vielleicht auch Frau eines seiner Brueder (irgendetwas in diese Richtung) – also eine Verwandte ersten oder zweiten Grades des ehemaligen ugandischen Praesidenten. Eine sehr intelligente und (in England) ausgebildete, studierte Uganderin, die mehrere Gruendstuecke besitzt; und einen Job im gehobenen ugandischen Government-Dienst hat, witzigerweise in der Antikorruptionsbehoerde; wobei man ihr das irgendwie abnimmt, wenn man sie so sprechen hoert. Sie plant eine unabhaengige Radiostation im Norden Uganda’s einzurichten.

      Die wirklich grossen, nennenswerten Unternehmen hier in Uganda sind Zweigstellen bzw. Niederlassungen auslaendischer Firmen – aus Grossbritannien, Niederlande, Belgium, Amerika oder Suedafrika. Durch meinen Mann bin ich ziemlich oft zu Veranstaltungen, wo sich die wirklich grossen internationalen Unternehmen zum Erfahrungsaustausch und Businessdeals treffen. In diesen Meetings bin ich meistens, ausser einiger Niederlaender und Belgier, die einzige Vertreterin des europaeischen Festlands und auch Asiens.

      Auch Inder und Chinesen spielen eine grosse Rolle in Business in Uganda; es ist aber auffallend, dass auch sie sich nicht mit Ugandern oder den anderen auslaendischen Unternehmen mixen. Geschaefte werden untereinander gemacht – also Inder mit Indern und die oben beschriebene Gruppe (Grossbritannien, Niederlande, Belgium, Amerika, Suedafrika) untereinander. Wo sich die Chinesen finden in diesem System von Unternehmen, weiss ich nicht; auch nicht Deutschland.

      Meines Wissens nach gibt es in Uganda Gesetze, die Auslaendern den Kauf von Grundstuecken untersagen; und auslaendische Unternehmen dazu verpflichten, eine mind. 50%ige ugandische Beteiligung zu haben. Jedoch habe ich bisher kein grosses auslaendisches Unternehmen kennengelernt, welches diese 50% ugandische Beteiligung tatsaechlich hat; und die auslaendischen Grundstueckeigentuemer scheinen es auch irgendwie immer geschafft zu haben, diese Untersagung vom Erwerb von Grundstuecken zu umgehen. Wie, kann ich nicht sagen.

  3. Volker Seitz sagt:

    Vielen Dank.
    Übrigens Sie machen tolle Fotos, z.B. Transport Solutions oder auch die Gerüstbaufotos. Wollen Sie nicht eines Tages ein Fotobuch veröffentlichen?
    Ich kenne bisher nur das Buch von Hans Kremp „Bikes of Burdon“ erschienen 2003 im Visionary World Verlag in Hong Kong (Bikes o Burdon). Kremp hat Hunderte von Motorrädern samt Lasten in Vietnam fotografiert. Das Buch ist so erfolgreich, dass bis heute mindestens sieben Auflagen erschienen sind.

  4. Doktor Peh sagt:

    Diese Art von scaffolding ist auch in anderen afrikanischen Laendern verbreitet. In Nigeria habe ich es auch gesehen; nebst den Arbeitern, die den Beton zum Betonieren in flachen Flechtkoerben ueber lange Holztreppen in den 2. Stock trugen. Wie eine Ameisenkolonne.
    Hier in Qatar indes gibt es Stahlgerueste, wie man sie auch in Europa kennt; nebst entsprechenden Sicherheitseinrichtungen und Beschilderungen, ob das Geruest betretbar sei oder nicht. Allerdings hat das natuerlich keinerlei Einfluss auf den Bau an sich. Und da sieht man halt sehr oft, dass ohne Hirn gebaut wird. Baeder, in denen der zentrale Bodenabfluss die hoechste Stelle ist, Lichtschalter hinter sich oeffnenden Tueren und so weiter.

    • bellusci sagt:

      Das ‚ohne Hirn‘ Bauen kenne ich aber auch aus Deutschland. Ich hatte mal in Deutschland einen alten Bauernhof und Unternehmen und wir haben die Scheune umgebaut, einschliesslich eines Toilettenanbaus. Alles ganz korrekt mit Architektin und Baugenehmigungsverfahren. Als das dann alles durch war und die Maurer anfingen die Waende fuer den Toilettenanbau hochzuziehen, bin ich zum Glueck mal vorbeigegangen, um nachzuschauen.

      Der Toilettenanbau war ein Anbau an die Scheune, d.h. also drei Waende mussten hochgemauert werden. Was ich feststellte, dass alle drei Waende solide waren, und kein Eingang erkennbar.

      Als ich nachfragte, was das soll, wurde mir gesagt, dass die Planungsunterlagen so seien; man haette sich schon gewundert, aber die Planung waere halt so. Nicht, dass es jemanden mal eingefallen waere, den Bauherren bescheid zu sagen und mal nachzufragen…

      Das war weder in Uganda, noch in Benin, noch in irgendeinem anderen afrikanischen Land! Diese Anekdote ist von Deutschland um 1995. Und ich kann da noch ein paar andere erzaehlen.

      Bei dem vielen Pfusch, der in Deutschland allerorts abgeliefert wird, ist es echt manchmal verwunderlich, warum deutsche Qualitaet und Arbeitsleistung so langanhaltend weltweit und so hochgeschaetzt wird. Den Afrikanern halte ich zugute, dass sie es oftmals nicht besser wissen; denn, wenn ich selbst keine Dusche mit fliessend Wasser habe und vielleicht auch nie eine Dusche benutzt habe, und mich im Freien unterm Mangobaum aus einem Eimer mit Wasser wasche; dann kann ich nicht wirklich jemanden den Vorwurf machen, dass er nicht „daran denkt“ (denn er weiss es nicht besser!), dass in einer Dusche der Abfluss der tiefste Punkt sein sollte.

      Wir hatten uns hier in Uganda vom Klempter einen Waschmaschinenanschluss einrichten lassen; und der Mann hatte den Anschluss an die Heisswasserleitung angeschlossen, anstelle an den Kaltwasseranschluss. Ich hatte einfach nicht daran gedacht, ihm das vorher zu erklaeren; denn wie es sich rausstellte, wusste er nicht, wie eine Waschmaschine funktioniert und hatte auch noch nie eine angeschlossen.

      Echt nervig in Uganda ist, dass Leute Jobs annehmen, ohne wirklich eine Vorstellung zu haben, was man von denen eigentlich will, vor allem dann nicht nachfragen und irgendwie versuchen, den Job trotzdem zu erledigen. Behaelt man das staendig im Kopf, und fragt den Klempter, ob er weiss, was eine Waschmaschine ist und wo er anzuklemmen hat, dann bekommt man auch den Job zufriedenstellend ausgefuehrt.

      • Doktor Peh sagt:

        Nun, hier in Qatar machte das mit dem Wasseranschluss wohl keinen Unterschied. Die Wasserbehaelter sind meist auf dem Dach und der Sonne ausgesetzt, so dass selbst im Kaltwaschgang das Wasser mindestens 40 Grad hat. Daher kann man auch nur morgens halbwegs ertraeglich warm duschen (Hahn dabei auf „kalt“) oder man schaltet, soweit man Zugriff hat, den entsprechenden Elektroboiler ab und nutzt dessen Inhalt als Kaltwasser – Wasserhahn dabei auf heiss. Bei der Waschmaschine indes hilft das nicht, da muss man eben mit eingegangener Waesche rechnen und vorher entsprechend groesser kaufen.

        (Ich hatte mal irgendwo ein Bild – ach ja, hier.)

        Hier sind die Funktionsweisen der Geraete bekannt, auch Duschen gibt es. Aendert aber nichts an der Mentalitaet der Ausfuehrenden; ueberwiegend Inder, Nepalesen und Pakistani.

      • bellusci sagt:

        Hier sind die Ausfuehrenden Ugander, die i.d.R. in Berufsschulen ohne Werkzeuge mittels Tafelbilder und Erklaerungen vom Lehrer ausgebildet werden. Es ist schwer vorstellbar, wie es fuer Studenten sein muss, wenn man sich 3 (!) Jahre beispielsweise zum Automechaniker ausbilden laesst, und die Schule keinen Schraubenzieher, keine Werkbank und nur einen 30 Jahre alten Motor, der dann auch noch verschlossen gehalten wird, und nur zum Anschauen dient, hat.

        Die Abschlusszertifikate sehen allerdings meistens sehr professionell aus, aber das ist wohl leider so ziemlich das Einzige. Ich habe echt eine enorme Hochachtung vor jedem Ugander, der es trotz der oftmals miserablen Ausbildung schafft, ein annehmbarer Klempner, Automechaniker, Tischler oder aehnliches zu werden; zumal die meisten ‚vom Land‘ kommen, wo es bis heute noch keine Elektrizitaet und fliessend Wasser gibt.

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