Freundschaft oder Schwul?

Veröffentlicht: Januar 25, 2010 in Environment/ Rahmenbedingungen

Men holding hands - just for friendship

In Uganda ist Haendchenhalten ein Ausdruck von Freundschaft. Man sieht das sehr oft, vor allem erwachsene Maenner, die auf offener Strasse beim Laufen wie auch im Stehen, gegenseitig die Haende halten. Es gibt keinen Zusammenhang zu Status; ich sehe das bei unseren Direktoren, wie auch bei Leuten auf der Strasse. Es gehoert einfach zur ugandischen Kultur.

Ich fand das anfangs irritierend, weil es nicht nur beim Zusehen bleibt. Auch meine eigene Hand wird schnell mal festgehalten, so beim Gutentag sagen (von Maennern wie auch Frauen) und dann nicht wieder losgelassen.

Gleichgeschlechtiges Haendchenhalten is hier normal und ein Ausdruck von Freundschaft und Sympathie. Findet mich jemand sympatisch, dann wird meine Hand festgehalten.

In unserer Kultur interpretieren wir solche koerperlichen Kontakte als “schwul”, hier offenbar absolut nicht. Ich frage mich, was wird hier denn als “schwul” interpretiert? Ich habe das noch nicht rausgefunden..

Was fuer andere Mimiken und Gesten sind hier gelaeufig, die so grundsaetzlich verschiedene Interpretationen je nach kulturellem Background haben?

Uganda besteht aus mehr als 40 verschiedene Voelkergruppen, viele komplett unterschiedlich; koerperliche Merkmale wie auch Kultur. Ich kann langsam Ugander Regionen zuzuordnen. So sind Ugander aus dem Norden dunkler, schlanker und groesser. Ugander aus dem Westen haben winzige Ohren. Ugander aus dem Osten eine mehr plattgedrueckte Nase.

Auch ueber sexuelle Praktiken wurde ich bereits aufgeklaert… So ziehen sich Uganderinnen aus dem Suedwesten ihre Schamlippen lang, damit der Mann mehr Spass hat; ideale Laenge ist die Laenge des mittleren Fingers, manche aber bevorzugen eine gesamte Handlaenge. Sie beginnen damit mehrere Jahre vor ihrer Menstruation, also noch als kleine Maedchen. Die Technik wird in manchen Maedchenschulen sogar gelehrt und geht so weit, dass sich in manchen Regionen Frauen treffen, um sich gegenseitig an den Schamlippen zu ziehen.

Ugander reden gerne und viel von koerperlichen Merkmalen und Unterschieden, wenn man auf dieses Thema kommt; Sex ist keinesfalls ein Tabuthema, das habe ich nun inzwischen oefter erlebt. In abendlicher Runde, am Kneipentisch, Maenner und Frauen gemischt, wird mit totaler Selbstverstaendlichkeit und Humor das Thema Sex diskutiert. Als ich mich das erste mal in so einer Runde fand, war ich ganz still und wusste nicht viel zu sagen, inzwischen rutsche ich nicht mehr von einer Seite zur anderen auf meinem Stuhl hin und her, sondern bringe auch mal was von unserer Kultur. So rasieren sich bei uns die Frauen ueberall; Ugander finden behaarte Frauen attraktiv, besonders an den Beinen, nur ein Ziegenbaertchen bei Frauen wird nicht so sehr gemocht.

Man redet hier ueber alles, Familie, Kinder kriegen, Beschneidung, Rituale bei der Beschneidung, Mann werden, Polygamie, Monogamie, zweite Ehefrau, Erbschaftsfragen…

Auffallend ist, dass sich Ugander enorm gerne ausfragen lassen und lang und breit ueber sich, ihre Familie, ihren Treib, ihren Clan erzaehlen. Seltener sind Gegenfragen; so gern Ugander scheinbar alles ueber ihre eigene Privatsphaere erzaehlen, wie viele Kinder, wieviele Frauen (in extremen Faellen auch wie oft Sex – ohne gefragt zu werden), aber Gegenfragen nach unserer Lebensweise – sehr selten. Kein Interesse? Zu viel Achtung?

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Kommentare
  1. Roter Kater sagt:

    Die Ugander haben keine Ahnung von Persönlichkeitsrechten und von der Würde des Menschen. Sie benötigen wirklich Nachhilfeunterricht und unsere Kultur. Mal sehen, wie sich das entwickelt, wenn das Internet auch in Uganda flächendeckend eingeführt ist und in jedem Haushalt Einzug erhält. Dann kann ja weltweit jeder über die intimsten Einzelheiten eines jeden etwas erfahren. Das muss rechtzeitig verhindert werden im eigenen Interesse aller Ugander.

  2. bellusci sagt:

    Naja, ich weiss ja nicht, ob ich den Kommentar ernst nehmen soll?

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