Sicherheit in Uganda

Veröffentlicht: Januar 17, 2010 in Challenges / Herausforderungen

Safety notice in International Hospital Kampala

Was ist wahrscheinlicher, dass man in Uganda von einem Einbrecher getoetet wird oder vom eigenen Wachmann? Wieviele Todesfaelle gibt es jaehrlich durch Stromschlaege (im eigenen Haus) sowie durch heruntergefallene Stromleitungen?

Uganda ist ein sicheres Land, man hat hier keine Nazis, die Auslaender zuammenschlagen; umgekehrt, Auslaender, insbesondere wir „Muzungus“ sind enorm gern gesehen und werden sehr freundlich aufgenommen; gegen Mallaria und all die anderen tropischen Krankheiten, kann man sich impfen, behandeln und schuetzen lassen, Schlangen sind so gut wie ausgerottet, die grossen Tiere in den Nationalparks eingesperrt – Uganda waere ein (Sicherheits)paradies, wenn nicht jeder zweite Ugander bis an die Zaehne bewaffnet waere, bauliche Qualitaet gewaehrleistet und nicht dieses krasse soziale Gefaelle, wo es nur furchtbar Arme oder furchtbar Reiche gibt, ohne irgendetwas in der Mitte.

Dass jeder zweite Ugander bewaffnet ist, ist natuerlich eine Uebertreibung, aber vielleicht doch nicht? Es ist egal wo und wann man auf die Strasse geht, in Kampala oder Up-country, irgendeinem (oder einer Gruppe) Ugander mit Maschinengewehr laeuft man auf jeden Fall uebern Weg. Erstaunlich finde ich, dass es im Verhaeltnis zu dieser extrem hohen Nummer an bewaffneten Ugandern, eigentlich so gut wie keine bewaffneten Ueberfaelle gibt (ich habe von keinem einzigen gehoert oder gelesen, in den 10 Monaten, die ich nun hier bin) und habe auch nichts von Unfaellen durch Schusswaffen gehoert.

Ich stelle mir vor, wie es waere, wenn man jede zweite Person in Europa mit einem Maschinengewehr ausstatten wuerde und dessen Benutzung auch Kindern nicht untersagt waere. Ich stelle mir Deutschland vor mit 30 Millionen Maschinengewehren in den Haushalten, ohne Waffenschein, versteht sich, welche man einfach so mal mitnimmt, wenn an zum Nachbarn zum Essen geht. Ich stelle mir vor, dass man dieses Maschinengewehr dann einfach unter den Tisch schiebt, wo jeder drauftreten kann oder an seinen Stuhl lehnt. Ich stelle mir vor, dass die Haelfte dieser 30 Millionen Maschinengewehre technisch nicht i.O. sind und mangelhaft gewartet. Mit wievielen Unfaellen wuerden wir rechnen?

Naja, das wuerde in Deutschland nie passieren, wir sind ja ein “verantwortungsvolles” Volk. Wir wuerden unsere Waffen immer warten und wir wuerden diese niemals achtlos irgendwo rumliegen lassen. Trotzdem, mit wievielen Unfaellen muessten wir dennoch rechnen bei 30 Millionen Maschinengewehren im Land? Tausend? Zweitausend? Zehntausend?

In Uganda ist die obige Situation Realitaet: Hier im Land hier gibt es so viele Kalaschnikows wie in Deutschland Zahnbuersten.

Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, von einem Fremden erschossen zu werden, ganz ganz gering. Von einem Einbrecher im eigenen Haus verletzt und getoetet zu werden ist ebenfalls sehr gering, aber die Chance, dass einen der eigene Wachmann erwischt, ist reell. Mangelhaft gewartete Gewehre, versehentlich abgefeuerte Schusswaffen, Verwechslung des Gaertners mit einem Einbrecher – alleine eine der groesseren Sicherheitsfirmen hier hat so um die 50 Faelle pro Jahr gemeldet. Wenn man das hochrechnet, sind das wohl um die 500 schwere Verletzungen oder Todesfaelle im Jahr, die durch eigene Wachmaenner verursacht werden (keine Sorge, es erwischt meistens den Gaertner und nicht den Hausherren).

Ich finde diese Zahl (500 Faelle im Jahr) enorm niedrig, und ich wundere mich, dass es nicht mehr sind, nicht bei dieser unglaublich hohen Zahl an Schusswaffen in den Haenden von Leuten, die enorm arm sind, die oftmals nicht wissen, wie sie ihre Familien ernaehren sollen, welche nur eine rudimentaere Schulausbildung haben.

Plug connected to power

Tot durch Elektrizitaet ist wahrscheinlich die Nummer Zwei in Uganda, wahrscheinlich auch Unfaelle durch eingefallene Haeuser, mannstiefe Loecher in Strassen und Fusswegen, Gullis ohne Abdeckung, explodierende technische Geraete.

Qualitaet von handwerklichen Leistungen ist hier unbekannt. Wenn das Auto kapput ist und man ruft den Mechaniker, kommt der mit einem Schraubschluessel und einem Schraubenzieher – und erstaunlicherweise bekommt er mit diesen beiden Werkzeugen das Auto repariert!

Bestellt man einen Maler, dann sollte man einen Pinsel zu Hause haben und neben ihm stehen bleiben, um aufzupassen, dass er nicht rumtropft, die Waende vorm Malern abwaescht, das Klebeband auch benutzt zum Abkleben, welches man natuerlich selbst zur Verfuegung gestellt hat. Hat man einen Elektriker im Haus, schadet es nicht, wenn man weiss, welche Leitung Strom hat und was die Erde ist, denn dann kann man es dem Elektriker auch erklaeren und aufpassen, dass er die Leitungen richtig anschliesst.

Hatte man einen Klempner im Haus, so sollte man diesen auf keinen Fall gehen lassen, ohne alle Wasserhaehne im Haus zu kontrollieren, ob diese immer noch funktionieren nachdem der Mann seine Arbeit abgeliefert hat. Tropft ein Wasserhahn, hilft man sich lieber selbst mit etwas Klebeband, denn ein Klempner bringt es fertig, den Wasserhahn zu reparieren, dafuer aber das Haus mit einer tropfenden Spuelung zu hinterlassen. Der naechste Klempner bringt die Spuelung zwar in Ordnung, aber Du kannst damit rechnen, wenn Du nach Hause kommst, dass dann der Toilettensitz kapput ist. Das ist die ugandische Art von Arbeitsbeschaffung, wurde mir gesagt.

Solange es um Wasserleitungen geht, um Fliessen, um eine schlecht gemalerte Wand, oder um eine Schranktuer, ist das alles zwar nervig, aber nicht gefaehrlich. Bei Strom aber hoert die Freundschaft auf!
Die Elektrizitaetsfirma in Uganda meldet pro Jahr um die 50 Todesfaelle, wo Passanten durch heruntergefallene Stromleitungen gegrillt wurden, eigenes Personal toedliche Stromverletzungen erlitt, Haueser durch Stromschaeden abgebrannt sind (und das bei einer Elektrizitaetsquote von unter 10% im ganzen Land). Wieviele Todesfaelle gibt es durch Strom, die nicht offiziell gemeldet sind? Alleine wir hatten in unserem alten Haus drei mal Stromschlaege von Steckdosen und unseren eigenen Geraeten. Im neuen Haus hatten wir kuerzlich einen Lichtschalter, von dem man einen Stromschlag erhielt. Einmal hat mein Mann einen Stecker gezogen und ihm ist die Steckdose dabei auseinandergefallen und er griff somit direkt in die Stromleitung. Wenn er nicht geistesgegenwaertig seinen Ellebogen sofort an die Wand gelehnt haette, dann waere ich jetzt wahrscheinlich eine Witwe. Sein Ellebogen hatte eine Brandwunde.

Handwerkliche Leistungen in Uganda! Thema Nummer Eins unter uns Expats…

Venue for a workshop in Masaka

Was kann man denn auch erwarten? Die Ugander, die handwerkliche Leistungen erbringen, kommen aus Haeusern, die irgendwie zusammengeschustert sind, wo keine Wand gerade ist, wo Loecher im Dach mit Folie geflickt werden. Nur 5% der laendlichen Bevoelkerung haben Elektrizitaet, in grossen Staedten, wie auch in Kampala, ist die Elektrifizierung nur in den gehobenen Vierteln zu 100%. Insgesamt, so ist die offizielle Schaetzung, haben mehr als 90% aller Ugander keine Elektrizitaet, und daher ist sehr wahrscheinlich, dass der Elektriker, den man zu sich ins Haus bestellt, aus der Gruppe der Ugander kommt, die ohne Strom leben. Und es ist auch ziemlich wahrscheinlich, dass der Elektriker seine Berufsausbildung in einer Schule erhalten hat, die keinen Stromanschluss hat, und falls doch, dann wahrscheinlich keine elektrischen Geraete und Werkzeug, also nur eine theoretische Ausbildung.

Wie kann man Qualitaet erbringen, wenn man nicht weiss, was das ist? Hauptsache hier ist, Dinge erfuellen ihre Funktion, irgendwie. Dass man in ein Loch hineinfallen kann, ist dann Unachtsamkeit, und dass Strom gefaehrlich ist, wissen viele einfach nicht. Daher ist es hier normal, dass man damit rechnen muss, dass man einen Schlag kriegt, wenn man einen Lichtschalter anfasst. Es ist ein gewohntes Bild, Stromleitungen zu sehen, die irgendwie mit einem Knoten zusammengeflickt sind.

Was kann man da machen?
Ausbilden, ausbilden, ausbilden… Chancen geben, Qualitaet kennenzulernen.

Erstens: Ugander muessen Zugang zu dem haben, was als Basic in entwickelten Laendern definiert ist. Fehlt es an Elektrifizierung im Lande, dann sollte man ueber Entwicklungsprogramme nachdenken, diese Infrastruktur im Land bereitzustellen. Berufsschulen sollten mit Werkzeugen und Geraeten ausgestattet werden, so dass die Ausbildung nicht nur an der Tafel, sondern auch mit ein paar Werkzeugen erfolgen kann (Uebrigens: Als deutscher Beitrag zu erneuerbaren Energien in Uganda sind 11 Mio Euro von 2008 bis 2017 bereitgestellt; ich kann nicht einschaetzen, ob da viel oder wenig ist, aber 11 Mio Euro klingen fuer mich nicht viel fuer ein ganzes Land ohne Strom).

Zweitens: Entwicklungshilfe sollte nicht nur ins Land hergeschickt werden, sondern Ugander sollten auch mal rausschickt werden. Austauschprogramme. Ausbildung im Ausland. Praktikas im Ausland. Aber leider wird das nur sehr wenig gemacht. So schickt Deutschland in den naechsten 10 Jahren 100,000 junge Leute in Entwicklungslaender, damit diese die Welt besser verstehen. Es wurde kurz andiskutiert, warum Deutschland im Gegenzug nicht 100,000 junge Auslaender aus den Entwicklungslandern aufnimmt fuer Praktikas und soziale Dienste; aber dies sieht das Programm nicht vor. 100,000 junge, strebsame, lernwillige Ugander wuerden definitiv eine Veraenderung erreichen, wenn sie wieder zurueck kommen!

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