Riots in Kampala

Veröffentlicht: Januar 7, 2010 in Environment/ Rahmenbedingungen

12.9.2009: Hier nun meine erste Erfahrung mit einem gewalttaetigen Ausbruch in Uganda: Schiessereien, Schlachten zwischen Militaer und Zivilbevoelkerung, niedergebrannte Fahrzeuge, Strassensperren – enorm schnell eskaliert (innerhalb weniger Stunden) – enorm schnell ausgebreitet, auch in anderen groesseren Staedten…

Anlass der Unruhen war ein geplanter Besuch des Kabaka (König) der Baganda im Kayungu Distrikt heute (am Samstag). Kayunga liegt etwa 45 km entfernt von Kampala in nordöstlicher Richtung. Als am Donnerstag, 10.09.2009, der Premierminister des Kabaka nach Kayunga reiste, um den Besuch des Kabaka vorzubereiten, wurde dieser an der Distirktgrenze von der Polizei gestoppt.
Es ging dann die Nachricht rum, dass der Premier verhaftet worden sei, was falsch war. Aber, die Nachricht hat aber dazu geführt, dass es in vielen Stadtteilen von Kampala, aber auch in anderen Ortschaften, zu Unruhen mit vielen Verletzten und einigen Toten gekommen ist.

Die Hintergründe sind jedoch vielfältiger und können nur kurz skizziert werden.:
Die Baganda sind die größte ethnische Gruppe in Uganda. Kampala liegt in Buganda. Die Königreiche wurden in Uganda unter Präsident Milton Obote 1966 abgeschafft und von Präsident Museveni in den neunziger Jahren wieder eingeführt – jedoch lediglich als kulturelle (nicht politische) Institutionen. Damit können viele Baganda schlecht leben. Sie möchten auch politische Kompetenzen für den Kabaka, unter anderem ein föderales politisches System. Im letzten Jahr kam eine von der Zentralregierung geplante Landrechtsreform zu den Streitpunkten dazu, die Landrechtsreform wurde von den Baganda abgelehnt. Die Reform wurde vertagt, ist aber nicht vom Tisch. In den letzten Monaten wurde Pläne der Zentralregierung bekannt, das Management der Stadt Kampala zu re-zentralisieren. Zudem sollten die Stadtgrenzen von Kampala in die umliegenden Distrikte ausgeweitet werden, um das bessere Management der enorm wachsenden Hauptstadt garantieren zu können. Letzeres wurde von den Baganda wiederum als Beschneidung der Rechte des Kabakas gewertet.

Aber in Wirklichkeit geht es wahrscheinlich um die Vorbereitung der Wahlen 2011 und wahrscheinlich darum, einen Grund zu finden, um Presse- und Versammlungsrecht zu beschneiden und potentielle Oppsition rechtzeitig auszuschalten; 4 Radiosender wurden in den letzten beiden Tagen verboten, der Kabake (Koenig von Buganda) musste seinen Besuch absagen, um weitere Gewaltausschreitungen seitens der Bevoelkerung zu stoppen…

    Wie steht es um die Sicherheit von Expatriats:
    Bereits eine Stunde nach den ersten Meldungen wurde ich (am Donnerstag) durch meine Organisation per Telefon informiert, dass es Unruhen gibt und dass die Innenstadt von Kampala unbedingt zu vermeiden sind; es kam die Empfehlung, von Fahrten abzusehen und Familie und Freunde zu informieren, das selbe zu tun… Am Freitag morgen wurden wir alle informiert, unsere Arbeitsstellen zu verlassen und uns zu Hause aufzuhalten (es sei denn, man hat sein Haus in einem der gefaehrdeten Bezirke, da wurde man im Gaestehaus oder in Hotels untergebracht)… nun sitzen wir seit gestern morgen in unserem privaten Sicherheitsgefaengnis und warten auf Entwarnung…
    Bei uns zu Hause ist es natuerlich absolut sicher und ruhig; von den Kaempfen haben wir (ausser in der Zeitung und von Leuten) nichts mitgekriegt (mein Mann hat vielleicht ein paar Schuesse gehoert von seinem Buero aus, welches im Stadtzentrum ist –am Donnerstag hat er 3 ½ Stunden gebraucht fuer die 5 km vom Buero in die Wohnung, da alle (wirklich alle) Kampala verlassen haben – es wird berichtet, dass die Innenstadt autofrei ist; nicht einmal parkende Autos – etwas noch nie gesehenes!).
    Unser italienische Supermarkt macht gerade das Geschaeft seines Lebens, da alle aufstocken und Reserven einkaufen und sich nicht ins Stadtzentrum zu den grossen Supermaerkten trauen.

    Aber es sieht sehr danach aus, dass alles wieder ruhig ist… der Kabaka (Koenig) hat beigegeben und noch gestern Abend seinen heutigen Besuch abgesagt.

    Wer mehr zu den Unruhen lesen moechte, muss das in Englisch und in den lokalen Zeitungen:
    Monitor
    New Vision
    Independent

    Es ist schon erstaunlich, wie schnell Ugander gewaltbereit sind; es hat wirklich nur wenige Stunden gedauert, bis sich die Unruhen ausgebreitet hatten… Hauptgrund ist wohl die zunehmende Frustration mit der Regierung und mit Musevini’s Ankuendigung, dass er nochmal kandidieren wird (obwohl er bereits 22 Jahre am Regieren ist) und vor allem auch die Vorankuendigung, dass er damit rechnet, die Wahl zu gewinnen; was heisst, dass hier mit grossangelegter Wahlfaelschung gerechnet wird, da von der Bevoelkerung ihn eigentlich jeder einzelne abwaehlen moechte…

    Wie auch immer, diese enorme Gewaltbereitschaft hat sicherlich auch mit der Kultur zu tun… in den letzten Wochen, immer wenn ich mal die Zeitung aufgeschlagen hatte, war da ein Artikel ueber Mobjustice irgendwo im Lande… aufgebrachte Mieter, die ihren Vermieter gekillt hatten… aufgebrachte Dorfbewohner, die einen Waldarbeiter auf dem Gewissen hatten… u.s.w…. es gibt in Uganda ca. 350 Mobjustice Faelle im Jahr, was heisst, statistisch gesehen jeden Tag einen… Da kann man nur hoffen, dass, wenn man unterwegs ist, man immer am falschen Ort bzw. zur falschen Zeit ist…

    Also, das war’s fuer heute… Bitte schreibt zurueck!!!! Es ist soooooooooooooooooo schoen aus der ruhigen, friedlichen, vielleicht manchmal auch etwas langweiligen Heimat zurueck zu hoeren… aber ich habe das ja selber so gewollt… Thrill… den haben wir hier fast taeglich, kein Tag ist wie der andere!

    Originaler Text – Email an Freunde am 12.9.2009

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