Ketten aus Papier… Business Idee…

Veröffentlicht: Januar 7, 2010 in Economy/ Wirtschaft

Hier ein paar Fotos von, meiner Meinung nach, unglaublich schoenen Ketten; sie werden in Heimarbeit von Frauen aus gerolltem Altpapier gemacht und das Ergebnis sieht einfach edel aus… ich habe in Europa noch nie jemanden solche Ketten tragen sehen und ich denke, dass da ein Markt da sein koennte… sie sehen edel und teuer aus und passen zu vielen Anlaessen…

Uganda, wie wahrscheinlich die meisten, wenn nicht alle, Entwicklungslaender, hat das Problem, dass sie von Gebergeldern abhaengig sind. Hunderte internationale Entwicklungsorganisationen pumpen seit Jahrzehnten Geld ins Land und um ehrlich zu sein, macht es den Eindruck, dass es in Wirklichkeit mehr oder weniger Marketingmassnahmen der einzelnen Laender sind. Niederlande versucht interessantere und groessere Projekte zu machen als die Belgier, die Belgier wollen mehr Eindruck schinden als die Japaner und so weiter und so fort… Jedes Land verbindet mit den Geldgeschenken seine eigenen Interessen, die Ugander sind da echt nicht zu beneiden…
„Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul“ ist das Motto der Regierungen, also lassen sie die Entwicklungsorganisationen einfach machen… und sitzen aus und warten, was passiert und ob was passiert; ausserdem hilft das auslaendische Geld ja auch schoen, die eigenen Taschen zu stopfen…

Eine andere Form von Entwicklungshilfe sind Gebrauchtgueter von Privatfirmen… unheimliche Mengen gebrauchter Waren werden ins Land unter dem Motto Entwicklungshilfe reingedrueckt:
Die Japaner schicken beispielsweise alle ihre Autos, die aelter als 10 Jahre sind und in Japan die Umweltvorgaben nicht mehr erfuellen, nach Uganda; das ist billiger als die Entsorgung der Fahrzeuge in Japan
Computerfirmen „entsorgen“ hier ihre veralteten Laptops und Computer im Namen von Entwicklungshilfe
Kuehlschraenke, die in Europa keiner kauft, weil sie einen zu hohen Elektrizitaetsverbrauch haben
Hier gibt es nicht ein einziges technisches Geraet oder Auto zu kaufen, welches modern ist, aber Preise, die sich durchaus in Europa sehen lassen koennen
Die Maerkte sind ueberladen mit Gebrauchtkleidung, die wahrscheinlich aus Spendensammlern kommen, aber die Suche nach neuer, moderner Kleidung bleibt ergebnislos und wieder zu Preisen, die beachtlich sind… oder Massen an Unterwaesche in Groessen XXL (wo die meisten Ugander S oder M haben), Struempfe Groessen 44-46 (ich konnte fuer Levina keine weissen Struempfe Groesse 39 finden fuer die Schule!)

Was es aber so gut wie nicht gibt, ist eigene Produktion und was es noch weniger gibt, ist Export eigener Produkte; und, da darf man sich doch mal die Frage stellen, gibt es keine internationale Entwicklungsorganisationen, die sich Aussenhandel auf die Fahnen geschrieben haben? Warum versucht keiner, das Land in die Lage zu versetzen, sich aus eigener Kraft zu finanzieren? Politik… kriegt man als Antwort… muss man da mehr dazu sagen? Es gibt da natuerlich vereinzelt Privatinitiativen, aber auch davon habe ich noch nicht zu viele gesehen…

Wenn also jemand in wirkliche Entwicklungshilfe interessiert ist, in Hilfe zur Selbsthilfe und vielleicht auch noch fuer Schmuck Interesse hat, dann bitte weiterlesen (oder wenn jemand irgendjemanden kennt, der das denken koennte, dann bitte die Email weiterleiten)…

Die Ketten werden in Handarbeit aus Altpapier hergestellt; das einzige technische Geraet, was die Frauen brauchen, ist ein Aktenvernichter, der das Papier in gleichgrosse Streifen schneidet. Die Streifen werden gerollt und es entstehen dabei perlenaehnliche Gebilde. Diese muessen noch lackiert werden (man braucht also auch den Lack) und dann werden die Kugeln aufgefaedelt zu einer Kette. Eine Frau kann pro Woche ungefaehr 10 Ketten herstellen, wobei das in einer Gruppe gemacht wird; mehrere Frauen wickeln das Papier, andere uebernehmen die Lackierung, andere das Design…

Women making beads, Kampala

Die Gruppe, die ich heute besucht habe, besteht aus ungefaehr 10 Frauen, die vorbeikommen, wie sie es ermoeglichen kommen (man muss ja im Hinterkopf behalten, dass die Frauen i.d.R. 5,6,7 Kinder haben)..

Sie verkaufen die Ketten fuer 1.500 – 3.500 UGX (40 Cent bis 1,10 EUR), wobei ich das absolut unterm Preis empfinde.

Wie gesagt, eine Frau kann im Schnitt 10 Ketten die Woche produzieren, was ein durchschnittliches Einkommen von vielleicht 25.000 UGX schafft, aber davon muessen die Kosten fuer das Beschaffen des Papiers, das Schneiden, die Perlen, der Verschluss, der Leim, abgezogen werden.

Um hier einigermassen leben und ihre Kinder zur Schule schicken zu koennen, muessten die Frauen ein Einkommen von 300.000 UGX und mehr im Monat anstreben, was einer Verdreifachung des Preises entspraeche; d.h. die Ketten mussten fuer 1 EUR bis 3 EUR kosten, damit es langfristig ein „faires“ Geschaeft wird.

Wie die Ketten aussehen, kann man die in Europa locker zwischen 10 und 30 EUR verkaufen, d.h. auf die 1-3 EUR noch Verpackung drauf und Versandkosten, vielleicht auch ein paar Zollgebuehren und Steuern, kommt man auf einen Einkaufpreis von 2-6 EUR pro Stueck; das muesste sich doch lohnen?

Meiner Ansicht nach gibt es zahlreiche Moeglichkeiten, in Europa einen Verkauf zu initiieren:
– man versucht in einem Katalogversand, wie Quelle, Neckermann, reinzukommen
– man versucht 3. Welt Geschaefte
– man baut einen System auf, wo man in „Hauspartys“ die Ketten verkauft
– Internetpresentation und Internetshop
Es gibt sicherlich viele andere Moeglichkeiten, aber das A und O ist jemand, der sich in Europa dahinterklemmt. Ich habe die Frauen heute kennengelernt, die machen den Eindruck, dass sie in der Lage sind, hier eine Grossproduktion aufzubauen und eine gleichbleibende, hohe Qualitaet sicherzustellen.

Beads

Hat jemand Lust, hier „anzubeissen“? Ich kann jede Menge Muster rueberschicken…

Ich bin uebrigens nicht die erste, die die Idee mit den Ketten hat. Es gibt hier zwei Kanadierinnen, die sich dem Schmuck angenommen haben und das Projekt laeuft in Amerika unter dem Namen Beads for Life; ich habe es noch nicht geschafft, mich mit denen in Verbindung zu setzen, aber in Europa ist da definitiv noch nichts!

Also… bitte umhoeren, nachdenken… ich schicke gerne Muster rueber und vielleicht wird was draus!

Ich weiss nicht, ob das Ganze unter dem Motto „Entwicklungshilfe“ stehen sollte, oder einfach besser als ein stinknormales Business, wo jeder Beteiligte Geld verdienen moechte, denn ich denke, dass Uganda genug „Entwicklungshilfe“ hat und hatte! Irgendwann muss ja mal die Zeit kommen, von Entwicklungshilfe wegzukommen…

Freue mich auf Feedback und Rueckmeldungen…

Originaler Text – Email an Freunde am 13.6.2009

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Kommentare
  1. filmy sagt:

    What you do on your blog is really great but more frequent updates, please.

  2. Jul sagt:

    Hallo, Die Idee mit den Paper-Pearls hatte ich auch (hab ein Jahr in Uganda gelebt und gearbeitet) Ich habe sie massig mit nach Hause genommen und auch versucht sie hier über Shops (Surfshop u.ä.) zu vertreiben. Das Problem ist, dass sie sehr nach Lack riechen und auch Ausschlag auslösen können. Grundsätzlich sehe ich aber trotzdem Potential darin. Es gibt in Amerika eine Webshop: Paper to Pearls, die die Ketten richtig teuer verkaufen und das Geld angeblich an die Frauen weiterleiten, fragt sich nur zu welchem Teil?

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